Storytelling für Designer

»I’m a designer that uses words. And I’m a writer that uses design.« (Ben Schott)

Design ist nur die eine Hälfte in der Arbeit eines Gestalters. Die andere Hälfte ist die Story zum Design. Gestalter sind permanent damit beschäftigt, ihre Story zu erzählen: Kommilitonen und Professoren die Idee, das Projekt, die Vorgehensweise und die Argumentation nahebringen; später dann Auftraggebern, Mitarbeitern, Investoren, Partnern, Presse und der Öffentlichkeit. Eine gute Story zu erzählen ist mehr als rationale Argumente aneinanderzureihen. Eine gute Story überzeugt, motiviert, inspiriert die Audience und ist in der Lage, etwas zu verändern. In diesem viertägigen Workshop öffnen Julia Peglow und die Chefredakteure des Hochschulmagazins FORMAT ihre Schatzkiste mit Methoden, Vorgehensweisen und Hacks und für gutes Storytelling, die Teilnehmer sofort für eigene Projekte, CVs, Bewerbungen oder die Formulierung eines redaktionellen Beitrags anwenden können.

Bitte mitbringen

  1. Skizzenbuch und Stift
  2. Lebenslauf
  3. Eigene Projektpräsentation oder Portfolio auf Macbook

Storytelling für Designer, Tag 1

Modul 1 Intro: Über das Schreiben

Das Handwerkszeug beim Storytelling ist das Schreiben. »Writing is re ned thinking«, nannte es Stephen King. Das Schreiben ist also ein Klärungs- oder Verbindungsprozess der eigenen, inneren Gedankenwelt, mit der elementaren, nach außen gerichteten Frage »Was will ich eigentlich sagen?«. Jedoch sind wir beim Schreiben oft gehemmt, fangen sofort an zu formulieren und korrigieren. Dabei kann man beim Schreiben genauso skizzieren wie beim Zeichnen: mit Fehlern, groben Passagen und angedeuteten Strukturen; Vorstellung unterschiedliche Methoden, z.B. »Morning pages«
Exercise 1.1: Stream of Consciousness (mit der rechten Gehirnhälfte schreiben),
schreibe 5 Minuten deine Gedanken auf
Exercise 1.2: Schreibe einen kurzen Text, wie du dich vorstellen würdest. Schreibe ihn
genauso, wie du ihn jemandem mündlich erzählen würdest.

Modul 2: Story statt Fakten

Eine gute Story ist keine reine Ansammlung von Fakten und auch keine Bulletpoint-Liste. – Exercise: Verbinde die Stationen deines Lebenslaufs zu einer zusammenhängenden Geschichte. Wie kann man die Story anreichern und interessant machen? Welche andere erzählerische Struktur außer der chronologischen ist denkbar? (Z.B. Was bist du? Was treibt dich an? Was ist dein roter Faden?)

Modul 3: Why How What

Das meiste, was man in Design-Selbstdarstellungen zu lesen bekommt, beschreibt nur das »What«, also was die-/derjenige macht: z.B. Produkte, Projekte, Ergebnisse. Die Story wird jedoch dann interessant, wenn sie eine inhaltliche Qualität bekommt. Vorstellung des Mo- dells »Why How What«, Beispiele
Exercise: Schau deine letzte Projektpräsentation oder dein Portfolio an. Wie ist der Anteil von Why How What? Wie würde die Story klingen mit mehr Why?

Storytelling für Designer, Tag 2

Modul 4: The art of asking questions

Was in diesen komplizierten Zeiten zählt, ist nicht die Lösung. Sondern die Fähigkeit, die richtige Frage zu stellen. Vorstellung Fragestellungen What if?, How might we?, Beispiele.

- Exercise: Schau deine letzte Projektpräsentation oder dein Portfolio an. Hast Du eine zu
Grunde liegende Fragestellung thematisiert? Versuche die Frage klarer auszuarbeiten. Wie bist du auf dein letztes Projekt gekommen? Was wolltest du heraus finden? Welche Fragen sind im Laufe des Projekts zu Tage getreten?

Modul 5: Kontext finden

Die Story zum Projekt, Produkt, oder zur Person wird dann interessant und relevant, wenn man sie in einen größeren Zusammenhang stellt und eine zweite Erzählebene eröffnet. Vorstellung unterschiedlicher Kontexte.

- Exercise: Schau deine letzte Projektpräsentation oder dein Portfolio an. Welche anderen
Ebenen hast du herangezogen? Welche Ebene, die einen neuen Kontext liefert, könntest du heranziehen und einarbeiten?

Modul 6: Hidden Stories

Merkwürdigerweise ist die Bandbreite dessen, was wir im professionellen Kontext üblicher- weise erzählen, sehr beschränkt. Wir unterordnen uns stark dem, was »üblich« ist, also eher rational getriebene, faktenbasierte Darstellungsweise. Dabei gibt es so vieles, was sich zu erzählen lohnt: wie das Projekt eigentlich angefangen hat, von den Irrtümer und Fehlern, oder von einem Schlüsselmoment im Projekt. Die literarische Erzählform, die unmittelbar diese erzählerische Ebene eröffnet, ist die Anekdote.

- Exercise: Schau deine letzte Projektpräsentation an. Wie könntest du Anekdoten einweben, die die Story interessant machen und die Zielsetzung des Projekts unterstreichen?